Abgeschickt von Jürgen M. Beith am 17 Maerz, 2009 um 18:55:09
Antwort auf: alpha Thalassaemie minor von Sybille G. am 13 Maerz, 2009 um 16:07:46:
Guten Tag, Frau G.,
für Ihre Anfrage herzlichen Dank.
Ein wenig muss ich unsere Schulmediziner in Schutz nehmen, bis auf die Hämatologen können diese ja nur das praktizieren, was ihnen die Lehre an den Universitäten vermittelt oder was sie aus Zufall oder Interesse herausgefunden haben.
Die Lehre vermittelt zunächst einmal, "Alpha-Thalassaemie Minor ist in der Regel nicht behandlungspflichtig".
Nach meinen Erfahrungen im Austausch mit von der Alpha-Thalassämie Minor Betroffenen ist dies leider weniger als die halbe Wahrheit. Da diese Erbanlage, wie auch die Beta-Thalassämie Minor, mit zunehmendem Alter gerne von Krankheiten begleitet wird, als da u.a. sind: Milzvergrößerung, Diabetes, Osteoporose, Rheuma, Gelenkentzündungen, Herzinfarktrisiko, Schlaganfallrisiko, Depressionen, chronischer Kopfschmerz, sind doch viele von den Betroffenen in ärztlicher Behandlung. Wobei sehr häufig ein Zusammenhang mit der Alpha-Thalassämie Minor vom Allgemeinmediziner nicht hergestellt wird. Dies erschwert die wirksame Behandlung der auftretenden Begleiterkrankungen.
Ich erlaube mir daher die Empfehlung, für die Kontrolle von Milz (Ausschluß einer Vergrößerung) und Blutwerten die Zahnarztregel anzuwenden: Alle sechs Monate zur Kontrolle gehen.
In der Ernährung empfiehlt es sich, wenn nicht stark von der Norm abweichende Eisenwerte vorliegen, den Küchenzettel an der Mittelmeerküche mit viel Obst und Gemüse auszurichten und sehr abwechslungsreich unter Verwendung von Raps- und Olivenöl zu kochen.
Beim Sport sollten Überlastungen (u.a. erkennbar an Schwindelgefühl, Flimmern vor den Augen oder dem sprichwörtlichen "Mir platzt gleich der Kopf") vermieden werden. Allerdings ist mir auch Träger von Beta-Thalassämie Minor bekannt, der sogar an Marathonläufen teilnimmt.
Ich hoffe, das kann Ihnen zunächst als eine Orientierung geben.
Weitere auftretende Fragen beantworte ich natürlich gerne.
Mit herzlichen Grüßen,
Jürgen M. Beith